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Ein Kaffee mit.. Wen Xiaofei

Ein Kaffee mit Wen Xiaofei

Ein Kaffee mit Wen Xiaofei, © GK Chengdu

23.08.2019 - Artikel

Für unsere Rubrik „Ein Kaffee mit..“ treffen wir uns mit Personen aus dem Amtsbezirk und reden über ihr Leben oder Erfahrungen in der deutsch-chinesischen Kultur- oder Wirtschaftswelt. In dieser Ausgabe wurde Wen Xiaofei von der Deutschen Außenhandelskammer in Chengdu.

In dieser Ausgabe von „Ein Kaffee mit…“ wurde Wen Xiaofei von der Deutschen Außenhandelskammer in Chengdu interviewt. Er arbeitet seit 2015 bei der AHK und hat somit viele Erfahrungen mit den wirtschaftlichen und sozialen Eigenheiten und Entwicklungen deutscher und chinesischer Unternehmen, von denen er einige teilt.


GK Chengdu: Wie bist du auf Deutschland gekommen?
WXF: Nicht wegen Fußball, nicht wegen Bier, sondern durch ein Buch über Deutschland, das ein Schulfreund mir während meiner Zeit am Gymnasium geschenkt hat. Das Buch hat mir wunderschöne Bilder und Inhalte über deutsche Kultur und Geschichte gezeigt, was mich sehr fasziniert hat. Das traf genau meinen Wunsch, ein europäisches Land durch eine europäische Sprache kennen zu lernen. Welches Land und welche Sprache habe ich gewissermaßen den Zufall entscheiden lassen. Letztendlich habe ich mich dazu entschlossen, Germanistik an der Ocean University of China in Stadt Qingdao zu studieren.

GK Chengdu: Seit wann arbeitest du bei der AHK?
WXF: Seit 2015 arbeite ich bei der AHK.

GK Chengdu: Woraus besteht deine tägliche Arbeit bei der AHK?
WXF: Die tägliche Arbeit besteht hauptsächlich aus 3 Teilen:
1. Betreuung der deutschen Unternehmen, Unterstützung bei Kontaktaufnahme allgemein, Markteintritt und auch bei Fragen im Beriech HR. 
2. Anfragen von sowohl deutschen als auch chinesischen Unternehmen zu bearbeiten und sowie die Beratung entsprechender Unternehmen.  Häufig geht es bei den Anfragen um die Suche nach passenden Geschäftspartnern vor Ort, Unterstützung bei Sales und Sourcing, Recht und Investment.
3. Wir richtigen auch Veranstaltungen und Business Events aus, z.B. Seminare/Workshops zu verschiedenen Themen, bieten Delegationsreisen zu Industrieschwerpunkten, Werkbesichtigung etc. en, und zu guter Letzt auch Social Events, darunter sind vor allem Discover Germany, Oktoberfest und Abendempfänge.

GK Chengdu: Was  gibt es für Unterschiede zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen, auf wirtschaftlicher und sozialer Ebene?
WXF: Nach meiner Beobachtung ist der größte Unterschied auf wirtschaftlicher Ebene zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen die Denkweise. Deutsche Unternehmen fangen gern mit kleinen Punkten an, während chinesische Unternehmen umgekehrt mit großen Plänen starten. Ein Beispiel: Wenn ein deutscher Unternehmer nach einer chinesischen Kooperation sucht, er zeigt dem potenziellen chinesischen Partner, welche Produkte sie genau auf den chinesischen Markt bringen möchten und was man für welche Phase tut. Aber ein chinesischer Unternehmer strebt in der Regel zunächst nach einer Kooperation allgemein und sagt: Wir möchten mit einem deutschen Partner zusammenarbeiten, wir können viele Sachen machen, alle Produkte aus Deutschland können wir gemeinsam auf den chinesischen Markt bringen. Dies ist genau die umgekehrte Reihenfolge.
Weder die eine Ansicht ist besser, noch die Andere. Viel wichtiger ist, dass man genau hinschaut, welcher Zusammenhang besteht und welche Weise am besten passt. Situative Lösungsansätze sind gefragt.
Auf sozialer Ebene gibt es dann jede Menge Unterschiede. Schließlich sind die 2 Länder auf 2 Kontinenten und haben eine eigene Geschichte und Kultur entwickelt. Ein Beispiel: Deutsche machen gern Frühstück, unterhalten sich dabei und essen kaltes Essen. Im Gegensatz dazu führen die Chinesen lieber Unterhaltungen beim Abendessen und finden warmes Essen viel schmackhafter. 

GK Chengdu: Wagen wir einen Blick in die Glaskugel: Wie verschiebt sich das wirtschaftliche Kräfteverhältnis zwischen Deutschland und China in der Zukunft?
WXF: Meiner Meinung nach werden Deutschland und China langsam zu einem Balance-Punkt kommen, wo die zwei Länder eine komplementäre wirtschaftliche Beziehung haben. Aber klar, bis die beiden Länder zu dem Punkt gelangen, ist es noch ein langer Weg, wo sie viele Schritte aufeinander zu machen werden. 

GK Chengdu: Womit tust du dich im Umgang mit deutscher Kultur besonders leicht, wo gibt es Schwierigkeiten?
WXF: Mit den meisten Deutschen kann man ganz direkt und offen im Umgang sein, was ich sehr gut finde. Schwierigkeiten gibt es in dem Sinne noch nicht, aber manchmal glaube ich, dass sie ein bisschen lockerer und flexibler sein könnte. Chinesischer Pragmatismus eben.

GK Chengdu: Praktika bei der AHK sind sehr beliebt. Worauf achtest du, wenn du Praktikanten einstellst? Gibt es unterschiedliche Aspekte bei deutschen oder chinesischen Praktikanten?
WXF: Meiner Vorstellung nach sollen Praktikanten vertrauensvoll, fleißig und lernwillig sein. Toleranz in Bezug auf verschiedene Kulturen und Ansichten, Kreativität spielen eine große Rolle und ganz wichtig: guter Umgang mit Software sowie schnelle Einarbeitung mit neuen Programmen. Bei uns gibt es aber keine unterschiedlichen Aspekte für deutsche und chinesische Praktikanten.

GK Chengdu: Woran scheitern viele Geschäftsideen in China, sowohl von Ausländern, als auch von Chinesen selbst? Was sollte man beachten?
WXF: Ich glaube, der Markt in China entwickelt sich und ändert sich wesentlich schneller als in Deutschland, deshalb kann man schwer einschätzen, ob es überhaupt einen gesunden und langfristigen Markt für die Ideen gibt. Das ist in Deutschland ganz anders. Außerdem, gute und vertrauensvolle Partner zu finden und ein stabiles Team zu bilden, ist auch nicht so leicht.

GK Chengdu: Gibt es einen Wandel in der Arbeitseinstellung der jüngeren chinesischen Arbeitnehmer? (z.B. Jack Ma/996)
WXF: Ja, auf jeden Fall. Aus meiner Erfahrung ist der Wandel vor allem bei der Lebensrolle der Arbeit bei ihnen. Ältere Generation sehen die Arbeit als einen wichtigen Teil in ihrem Leben, womit sie ihre materiallien und geistliche Wünsche erfüllen kann, wie z.B. Wohungen zu kaufen, Famillien zu bilden, Karrierre, Selbsbewusstsein etc. Aber bei jüngeren chinesischen Arbeitnehmern beträg die Arbeit wahrscheinlich 30% oder sogar weniger in ihren ganzen Leben. Sie haben viele andere Angebote, Hobby, Handy, Community, Games, also ein anderes Leben. Ich würde sagen, der Wandel der Geseschaft hat die Entscheidungen bei den verschiedenen Generationen beeinflusst.

GK Chengdu: Zu guter Letzt, wie trinkst Du Deinen Kaffee am liebsten?
WXF: Morgens Latte Macchiato, nach dem Mittag essen am liebsten schwarz.

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